Rückblick: Digitale Werkstatt Synodalität

Digitale Werkstatt Synodalität vereinte 19 Bistümer im Bemühen um eine synodale Kirche

Umsetzungen der Impulse der Weltbischofssynode kommen in eine entscheidende Phase

Synodalität ist in der Kirche keine neue „Erfindung“. Dennoch ist sie in unserer Zeit neu in Bewegung gekommen. Einerseits durch den Synodalen Weg der Bistümer in Deutschland zur Erneuerung der Kirche nach der Erschütterung durch die Fälle sexualisierter Gewalt und den Umgang damit in der Kirche. Zum anderen hatte Papst Franziskus den Prozess der Weltbischofssynode „Für eine synodale Kirche“ ins Leben gerufen.

Die Arbeitsstelle für missionarische Pastoral hatte am 29.1.2026 zu einer digitalen Werkstatt Synodalität in den deutschen Bistümern eingeladen, um eine Bestandsaufnahme der synodalen Bestrebungen in den Bistümern zu versuchen und die Beteiligten in einen Austausch zu bringen. So waren mit knapp 70 Personen 19 Bistümer vertreten, insbesondere Verantwortliche und Benannte aus Ordinariaten, Gremien und Synodalteams. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach dem Einüben einer synodalen Krrche auf verschiedenen Ebenen

Obwohl die Bistümer in Deutschland in der Vergangenheit stärker mit dem Synodalen Weg als mit der Weltsynode befasst waren (die letzte Synodalkonferenz begann zeitgleich in Stuttgart), gibt es Anzeichen für eine inhaltliche Nähe zwischen beiden synodalen Bewegungen, so Hubertus Schönemann, der Leiter der KAMP in seinem Statement. Synodalität habe verschiedene Aspekte, betreffe sowohl Reformanstrengungen in der Kirche wie auch spirituelle und kulturelle Haltungen und Stile, wie ein Kirche-Sein im Blick auf die Bedeutung der Getauften und das gemeinsam durch die Zeit pilgernde Gottesvolk gehen kann. Synodalität bedeutet soziale und kulturelle Kontexte des Evangeliums wahrzunehmen, möglichst breite Partizipation zu probieren und miteinander in Verbindung zu bleiben, auch in Konflikten und unterschiedlichen Zielbildern.

In einer ersten Workshop-Phase tauschten sich die Teilnehmer:innen über ihre Erfahrungen und Bedarfe in den Themen Synodaler Stil, Gremien, Unterscheidungs- und Entscheidungsprozesse, Vielfalt und Repräsentanz sowie Gespräch im Geist aus.

In einem zweiten Schritt gab es internationale Impulse. So zeigte Detlef Hecking aus der Synodalkommission der Schweiz auf, dass die Schweiz trotz ihrer staatskirchenrechtlich bedingten Tradition in Synodalität auch in einem Neuaufbruch ist. Zwischen Unverbindlichkeit und Verbindlichkeit müssten in weiteren Schritten auch kirchenrechtliche Normierungen weiterentwickelt werden, um tatsächlich Partizipation möglichst vieler zu erreichen.

Gabriele Eder-Cakl, die Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts, berichtete von den Bemühungen der österreichischen Diözesen, aber auch in Rom, um in persönlichen Gesprächen für Positionen zu werben. Sie sieht z. B. im Thema Gleichberechtigung aller Getauften, auch und gerade der Frauen, neben verständlicher Sprache, dem Thema, wie Glaube heute gelebt werden kann und der Vielfalt religiösen Lebens Herausforderungen für ein aggiornamento der Kirche. Ihr geht es um synodale Zusammensetzung der Gremien, ob in Liturgie und Seelsorge Charismen und Dienste synodale zusammenwirken und insgesamt um die Einübung einer synodalen Haltung im Umgang miteinander. Einen wichtigen Beitrag leistet hierzu auch internationale Austausch und Beziehungen, um eine geistliche Haltung von Synodalität miteinander einzuüben.

Prof. Dr. Myriam Wijlens, Kirchenrechtlerin und Beraterin der Weltsynode, stellte die positive Entwicklung des globalen Südens in Sachen Synodalität vor Augen. Während in der westlichen Hemisphäre noch Stillstand sei und Synodalität oft als innerkirchliche Reformdebatte verhandelt werde, gebe es in Asien eine Vorstellung von Synodalität als einem vierfachen Dialog: mit den Kulturen, den Religionen, mit den Armen und mit der Schöpfung. Die asiatischen Bischöfe hätten sich in vorbildlicher Weise selbst und mit ihren Gläubigen auf einen verändernden Weg der Synodalität gemacht.

Im anschließenden Austausch der Teilnehmer:innen wurde rasch deutlich, dass in Deutschland sehr unterschiedliche Bewegungen und Initiativen stattfinden, oft auch abhängig von der jeweiligen Vorstellung des Bischofs. Einigkeit bestand darüber, dass das Einüben von synodalen Haltungen und Stilen zentral ist und Zeit braucht. Rechenschaftspflichtigkeit, Evaluation und Kontrolle, auch wenn sie nicht kirchenrechtlich normiert sind, werden – so die Hoffnung – langfristig zu einem erneuerten Stil des Kircheseins führen, der Klerikalismus überwindet und die kirchliche Sendung von den sozialen und gesellschaftlichen Kontexten und Herausforderungen versteht und modelliert.

Synodalität muss zu einer Erfahrung und zu Haltungen werden, die eingeübt werden. In der Folge wird im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz zu prüfen sein, welcher Bedarf an Formen von Austausch und gemeinsamem Lernen auf der nationalen Ebene bestehen und wie man in guter Weise den synodalen Weg unterstützen und flankieren kann. Hierzu steht dann auch die Arbeitsstelle KAMP bereit.

Hubertus Schönemann

Die Dokumentation der Tagung und weitere Inforamtionen zur Synodalität finden Sie hier.

Zu Ausschreibung und Programm der Werkstatt